Die Magenverstimmung verschwand und dem 3. Dockville Tag stand Nichts im Wege, abgesehen von dem HVV, welcher am Wochenende Gleisarbeiten vornahm, Dank derer wir verspätet und zudem von dem Shuttlebusfahrer verängstigt auf dem Gelände ankamen.
Wir erreichten das schöne Wilhelmsburger Areal leider erst als die Ting Tings bereits auf der Bühne standen. Wie schon auf Platte fanden wir sie auch live ganz großartig, und hotteten dann zu unseren Lieblingssongs ab, die wir Gott sei Dank nicht verpasst hatten. Paralysiert von den stinkenden Füßen des Nebenmanns während der Umbaupause, standen nach gefühlten 3 Stunden endlich Fettes Brot auf der Bühne. Wir sind nun wirklich keine Pullerpuppen, was das Pogen und Springen betrifft, aber was dort bei “Schieb es auf die Brote” von Statten ging, glich nur noch aggressivem Rumgeschubse, -getrampel und Ellenbogengestoße, wobei sich Bea das Nagelbett anständig aufgerissen hat. Das Körpergewicht von Männern, die breit x hoch sind, ist dann doch kein Genuss für zierliche Frauenfüße. So flüchteten wir also erstmals aus der Mitte der Masse an die “ruhigere” Seite und mussten dort nicht mehr um unser Leben bangen. Am Rand wurde nicht minder gefeiert, lediglich auf das Köpfeeinschlagen verzichtet.
Da den meisten von Euch die Festivalsetlist bekannt sein dürfte, wollen wir uns nur über die 3 1/2 Songs auslassen, die wir bisher noch nicht zu hören bekommen haben. Die Version von “Können diese Augen lügen” kam uns irgendwie aus dem Jahr 2006 bekannt vor, war also nichts wirklich Neues. “Wie immer” kann man sich über Geschmack streiten, aber “lange, lange nicht gehört” ist dann doch anders (Ja, nennt uns ruhig kleinlich!). Aber ER wurde auch gespielt. ER hat uns tierisch viel Freude bereitet. Und ER hat sich wirklich seit einer längeren Zeit auf keiner Setlist etabliert. Der bezaubernde “Welthit” (Wehe, diese liebreizende Band kommt auf die Idee, diesen wundervollen Song wieder rauszuschmeißen, nur ihren Text, den sollten sie sich noch einmal ins Gedächtnis rufen). Die letzte Zugabe wurde mit den Worten “Noch nie live gespielt, wird wohl auch nicht mehr live gespielt werden” angekündigt und die Hoffnung auf etwas ganz Besonderes war groß. Leider wurde nur wieder das Hamburger Ego gestreichelt und der “Hamborger Veermaster”, begleitet von dem Nervenkostüm, ausgepackt. Zitat von Nebenfrau ohne stinkende Füße: “Das war doch gar kein richtiges Lied”.
Anschließend wurde vor der Wäldchenbühne zu Paulis Beats gerockt, der Rücken entspannt und Bier getrunken. Könnte ein Abend schöner enden, als in einem Taxi, das einen schlappe 30 Euro kostet?
Doch das war nicht das einzige Ereignis des Wochenendes. Beim Betreten des Einlassbereiches des Dockville Festivals sprangen einem sofort unzählige Strom und Drang Tour-Plakate ins Auge – 05.12.08 Hamburg – Color Line Arena. Geahnt hatten wir es schon lange und nun stand es dort schwarz auf weiß. Wir wollen nichts madig reden, wollen nur verstehen können, was an dieser riesigen Halle so toll sein soll. Dass es für die Band ein besonderes Gefühl sein muss vor 13.000 Fans aus dem eigenen Lager zu stehen, ist durchaus nachvollziehbar. Aber welchen Reiz übt das auf das Publikum aus? Wir persönlich vermissen in überdimensionalen Konzertsälen das besondere Livegefühl. Demnach werden wir auf dem zweiten Tourteil die “kleineren” Hallen rocken und die wahre Konzertluft schnuppern.
Und dann gab es noch die Bekanntgabe der 3. Singleauskopplung. Zu unserer Freude haben sich die Brote für
“Ich lass dich nicht los” entschieden – das wundervolle Rapstück mit Gänsehautgarantie. Wir sind gespannt auf das dazugehörige Video und hoffen, dass die Schlussmetapher nicht entzaubert wird. Geht also alle im September in den Plattenladen, kauft die Single und zieht Euch außerdem endlich mal, weiterhin oder noch mehr Musik vom großartigen
Pascal Finkenauer rein.
P. S. Wir wissen nicht warum, aber wir stehen drauf, wenn die Brote uns auf der Bühne als Bitches und Muschis bezeichnen. Bitte so weitermachen, bestenfalls einen oben drauf legen.