Apr23
Schon das ein oder andere Mal taten wir an Ort und Stelle lautstark unseren Unmut über deutsche Musikpreise kund. Die GEMA scheint’s gehört zu haben und stampft nun den “Deutschen Musikautorenpreis” aus dem Boden. Das ist ja schon einmal ein Grund zur Freude, denn zu den Nominierten gehören unter anderem auch in der breiten Öffentlichkeit sonst so wenig beachtete Künstler wie Niels Frevert, Jochen Distelmeyer (ehem. Frontman Blumfeld), Dirk von Lowtzow (auch Sänger/Gitarrist bei Tocotronic) und Bernd Begemann. Außerdem entscheidet eine Jury aus größtenteils Komponisten über Sieg und Niederlage und keine nicht ganz wasserdichten Internetvotings und Chartplatzierungen.
Natürlich dürfen da auch Fettes Brot nicht fehlen, die um die Preise in der Kategorie “Komposition Rock/Pop” und “Text HipHop” ins Rennen gehen und gegen z.B. die Fantastischen Vier, Sido und Peter Fox antreten. Wie nicht anders erwartet, gibt es bei so viel Erfreulichem auch einen bitteren Beigschmack: Bushido soll einen Lyrik-Preis verdienen? Sicher, eine Nominierung im Bereich Komposition wäre nach einigen eindeutigen Rechtsstreitigkeiten nicht mehr möglich gewesen, doch munkelt man in Berliner Hinterhöfen nicht auch, dass seine Texte noch niemals aus eigener Feder stammten? Wie dem auch sei, die Jury wird schon wissen was sie tut. Zwar fängt man auch hier an zu zweifeln – denn die fachkundige Meinung vom Produzenten von Jeanette und Christina Stürmer und zudem Lukas Hilbert sind gefragt – aber vielleicht kann wenigstens Dirk Darmstaedter dagegenhalten. Ob der Preis also wirklich zum einzig vernünftigen wird, bleibt abzuwarten. Verliehen wird er am 28. Mai in Berlin.
Apr3
Berlin ist immer eine Reise wert. Das ist es wirklich. Besonders nett vom Frühlingshoch empfangen, war das wohl einer der schönsten Tage, den die Hauptstadt seit langer Zeit zu bieten hatte. Aber wenn die Sonne untergegangen und die Wärme dahin ist, interessiert das niemanden mehr. Dann wird man auf der Oranienburger Straße in Bars gelockt, in denen man vergeblich auf spärlich bekleidete Frauen auf hochglänzenden Tischen wartet oder die Kalkscheune öffnet ihre Türen, wenn das wohlbekleidete Schwule Mädchen Soundsystem mit Schlips und Schwips zum Tanz einlädt. Diesmal beschlich einen das Gefühl, dass das Paralleluniversum Internet viel zu viel Platz einnahm. Gut, wir sind im Rahmen der re:publica geladen. Trotzdessen stank es richtig, dass der Mob im Innenhof mit dem iPhone twitterte, dem Netz zwitscherte wie es ihm gerade in der Kalkscheune ergeht. Wir gehen jede Wette, da war auch noch ein Tamagotchi in der Hosentasche. Andere boten den Datenexhibitionisten dar, und verließen zusammen mit ihrem “Who I am, what I’m doing and how can you get me-Pass” die Treppe den ganzen Abend nicht. Von Beginn an war die Tanzfläche ungefüllt und unausgelassen. Richtig hässlich und extrem ansteckend. Unsere Stimmung suchten wir vergeblich. Einmal ins Glas geschaut, nächsten Song abgefeiert und wieder ermüdet. Schade war’s. Und obwohl eigentlich immer am Schluss die Luft raus ist, war es genau da irgendwie am schönsten. Regler runter und mitgrölen.
Am nächsten Tag dann erst einmal schauen, was die Nerds im Innenhof der Kalkscheune getwittert haben:
Sinngemäß: – Langweiliger Abend, die Brote scheinen aufgrund der gespielten Musik in vorhergegangenen Jahrzehnten hängengeblieben zu sein. Irgendwer musste irgendwem ein iPhone leihen, damit überhaupt neue Musik gespielt werden konnte. -
Es ist wirklich zum Weinen, dass die Twitter Hintergrundmusik nicht gefiel. Und liebe Freunde des Internets: “Guckt mal, wir haben auch einen Blog. Ist das nicht super?” Im Ernst: Wir finden, die Musikauswahl perfekt wie sie ist und war. In welchem deutschen Club bekommt man denn noch die Dexys Midnight Runners oder die Jackson Five auf die Ohren? Gespielt werden die wohl selten bis gar nicht. Wir stehen auf neue Musik, gehen dafür aber in einen regulären guten Club in Berlin oder Hamburg und feiern dort. Eine Veranstaltung mit dem Schwule Mädchen Soundsystem ist immer etwas Besonderes. Zum Einen wegen der Seltenheit dieser Abende und zum Anderen, wegen der abwechslungsbietenden Musik, die aus dem scheinbar in Vergessenheit geratenen Fach des Plattenregals geholt wird. Andererseits fühlt man sich wie auf einer Privatparty unter Freunden, wenn z. B. ein Song mittendrin abgebrochen wird, weil man spontan Lust auf einen anderen bekommen hat. Der Eine nennt es rudimentär, der Andere charmant!
P. S. Wer war das gleich, der uns zum Hotel der Brote schicken wollte? “Huhu, wir sind Mädchen und sehen auch so aus. Entschuldige, bitte…” Wer ‘n bisschen zurecht gemacht ist, will die Brote vögeln. Das ist doch mal ‘ne Aussage. Futzie!